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Ist Farbenblindheit angeboren?




Im Volksmund bezeichnet Farbenblindheit fälschlicherweise eine Schwäche, bei der nicht zwischen den Farben Rot und Grün unterschieden werden kann. An echter Farbenblindheit oder auch Achromatopsie erkrankte Menschen jedoch, nehmen gar keine Farben wahr, sondern unterscheiden lediglich Hell-Dunkel-Kontraste. Sie sehen in Grautönen. Die Krankheit kann sowohl angeboren sein als auch später erworben werden.

Die angeborene Farbenblindheit wird okuläre Achromatopsie genannt. Sie tritt auf, wenn lediglich die lichtempfindlicheren, für das Sehen bei Dämmerung und in der Nacht verantwortlichen, Stäbchenzellen der Netzhaut intakt sind, die für die Farbwahrnehmung zuständigen Zapfenzellen jedoch nicht funktionieren.

Achromatopsie wird autosomal-rezessiv vererbt. D.h. das betroffene Gen liegt nicht auf einem Geschlechts-Chromosom, weswegen Männer und Frauen, anders als bei einer Rot-Grün-Schwäche, gleichermaßen betroffen sein können. Außerdem benötigt es zwei beschädigte Allele, damit die Krankheit zum Ausbruch kommt, da im Fall nur eines gestörten Allels das gesunde die Funktion des Farbsehens übernimmt. Menschen mit einem krankhaften Allel sind Träger der Krankheit und können diese weitervererben, ohne selbst betroffen zu sein.

So können auch zwei farbsichtige Menschen die Eltern eines farbenblinden Kindes sein, wenn beide nur Träger der Krankheit sind und die beiden schadhaften Allele im Chromosomensatz des Kindes aufeinandertreffen.

Zum Krankheitsbild gehören auch fehlendes Scharfseh-Vermögen, da sich rund um den sogenannten Gelben Fleck im Auge, welcher für das scharfe Sehen verantwortlich ist, die Zapfen, jedoch kaum Stäbchen befinden, sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, da die Stäbchenzellen bereits auf geringe Lichtmengen reagieren. Oft tritt auch ein Augenzittern auf, Nystagmus genannt, da durch schnelles hin und her Bewegen der Augen, das Fehlen der Stäbchen um den Gelben Fleck ausgeglichen wird.

Betroffen von Farbenblindheit ist etwa ein Mensch von 100.000. Man kann die Symptome der Krankheit z.B. durch das Tragen einer dunklen Sonnenbrille mindern, jedoch ist okuläre Achromatopsie nicht therapierbar.

Wenn die Krankheit nicht angeboren ist, sondern erst später auftritt, spricht man von cerebraler Achromatopsie. Sie entsteht nicht durch eine erblich bedingt fehlerhafte Netzhaut, sondern durch einen erworbenen Defekt des Gehirns im Bereich der Großhirnrinde, so dass die wahrgenommenen Farben nicht mehr verarbeitet werden können. Ursache können zum Beispiel Schlaganfälle oder nach Unfällen auftretende Schädel-Hirn-Traumata sein.