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Wie werden Augenkrankheiten in Entwicklungsländern behandelt




Katarakt, Trachom (Bindehautenzündung), Flußblindheit, grüner Star, diabetische Retinopathie und Kinderblindheit sind die am häufigsten vorkommenden Augenkrankheiten in Entwicklungsländern. Sie sind verursacht durch Ernährungsmangel, Parasiten, Diabetes, Hochdruckerkrankung und genetisch bedingte Störungen. In vielen Fällen reichen entsprechende Medikamente aus, um der Erkrankung Einhalt zu gebieten: Vitamin A bei Kinderblindheit, Anitbiotika und hygienische Maßnahmen gegen Flußblindheit und Trachom, Antihypertensiva gegen den grünen Star, Insulin und orale Antidiabetika gegen die Retinopathie. Der graue Star, durch den ca. 20 Millionen Menschen erblindet sind, kann nur operativ beeinflusst werden.

Die medikamentöse Behandlung von Augenkrankheiten ist in Entwicklungsländern relativ unkompliziert zu organisieren. Eine Augenoperation dagegen setzt weitaus höhere Anforderungen an die behandelnden Ärzte, da sie einen sterilen Operationsraum benötigen, Operationsbesteck, Verbände und andere Belange, die eine erfolgreiche Behandlung erfordert, aber zumeist nicht gewährleistet werden kann. Als weitere Herausforderung ist zu nennen, dass es z.B. in weiten Teilen Afrikas nur einen Augenarzt für 1 bis 4 Millionen Einwohner gibt. Diese Faktoren führen oft dazu, dass sich die medizinischen Betreuer gezwungen sehen, in vielen Bereichen zu improvisieren.

Bei einer Kataraktoperation wird die Augenlinse, die bei dieser Erkrankung leicht bis vollständig getrübt ist, operativ entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt. Diese Operation erfordert einiges an Übung und Erfahrung. Um dem Augenarztmangel in den Entwicklungsländern entgegenzuwirken, werden besonders begabte Krankenpfleger oder –schwestern oder sonstiges medizinisches Hilfspersonal dazu ausgebildet, die sonst nur von einem Arzt durchzuführenden Kataraktoperationen zu handhaben.

Die Operation selbst erfolgt in der Regel unter lokaler Anästhesie des betroffenen Auges. Da die Beschaffung von Operationsmikroskopen zu teuer und zu aufwendig ist, kommen in der Regel Lupenbrillen zum Einsatz, die vor etlichen Jahren in der operativen Augenheilkunde Standart waren.

Der Einsatz einer neuen Linse erfordert im Normalfalle eine vorausgehende biometrische Bestimmung der Brechstärke dieser neuen Linse, damit sichergestellt ist, dass das Sehvermögen optimal wieder hergestellt werden kann. Diese Untersuchungen sind aber im überwiegenden Fall nicht machbar, so dass der Patient sich mit einer Standartlinse zufrieden geben muss, die ihm zwar das Sehen wieder ermöglicht, aber unter Umständen keine hundertprozentige Sichtschärfe erlaubt.

Die Behandlung von Augenkrankheiten in Entwicklungsländern ermöglicht vielen Erkrankten eine Heilung einer sonst unabwendbaren Erblindung. Aufgrund mangelnder Einrichtungen und mangelndem Personals sehen sich die medizinischen Fachkräfte häufig gezwungen, unkonventionell vorzugehen und zu improvisieren. Der Verbesserungsbedarf ist also unübersehbar.